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  • Kein Mensch ist illegal – und auch keine Arbeit!
03.11.2014

ver.di AK undokumentierte Arbeit

Kostenlose Beratung für Arbeitskräfte ohne gültige Aufenthaltspapiere

Sie arbeiten vor allem als Reinigungskräfte in Unternehmen und privaten Haushalten, als Verkäufer_innen in kleineren Geschäften, in der Altenpflege oder Gastronomie: Arbeitskräfte ohne gültige Aufenthaltspapiere – sogenannte „Illegalisierte“ oder auch „Papierlose“.

In einer Zeit, in der Flüchtlinge Gewerkschaftshäuser und Plätze besetzen, um auf ihre verheerende Situation in diesem Land aufmerksam zu machen, muss auch von verschiedensten Organisationen ein klares Signal ausgehen: „Bei solchen Zuständen sehen wir nicht weg und unterstützen die Betroffenen!“ Dieses Signal wurde von uns als Gewerkschaft nicht immer eindeutig kommuniziert – ein Problem, das wir lösen müssen!

Häufig nutzen Arbeitgeber den unsicheren Aufenthaltsstatus solcher Beschäftigten aus, erpressen sie damit, beschäftigen sie zu einem Hungerlohn, verweigern ihnen Mutterschutz und Urlaub. Nicht selten wird ihr Lohn einbehalten oder Überstunden werden nicht bezahlt. An ihren Arbeitsschutz wird ebenso wenig gedacht wie an die Rente dieser Arbeitnehmer_innen. Kaum eine_r der Betroffenen weiß allerdings, dass auch Illegalisierte Rechte haben – und sogar vor ein Arbeitsgericht ziehen können.

Schon seit mehreren Jahren berät ver.di daher Arbeitskräfte ohne gültige Aufenthaltspapiere. Diese kostenlose Erstberatung zu Problemen mit dem Arbeitgeber findet in Kooperation mit migrantischen sowie antirassistischen Organisationen statt.

Sie wird an den Standorten Berlin, Hamburg, Köln und Frankfurt am Main angeboten, und zwar auch für Nicht-Gewerkschafter_innen. „Unser Arbeitskreis besteht aus rund 25 Ehrenamtlichen, die zweimal im Monat für Beratungen zur Verfügung stehen“, erklärt der Berliner Gewerkschaftssekretär Jürgen Stahl.

Basiswissen und Tipps von ver.di
"Als Erstes geht es um das grundsätzliche Wissen, welche Rechte die Beschäftigten überhaupt haben", erzählt Conny Roth vom "Arbeitskreis undokumentierte Arbeit" bei ver.di. Dann gibt es Tipps zum Sammeln von Belegen, die das Arbeitsverhältnis und die Tätigkeit dokumentieren – also Notizen und/oder Fotos der jeweiligen Arbeitsstelle bzw. vom eigenen Arbeitsplatz, Auftragszettel, Namen von Kolleg_innen und vieles mehr.

Darüber hinaus empfiehlt das Beratungsteam, zum Einstellungsgespräch am besten eine_n Freund_in mitzunehmen und dem Chef oder der Chefin grundsätzlich möglichst wenig Persönliches zu erzählen. Dadurch verringert sich das Risiko, mit einem unsicheren bzw. illegalen Aufenthaltsstatus erpressbar zu sein.

"Die Kosten sind nicht das Problem", meint Roth, "die eigentliche Hürde besteht darin, überhaupt den rechtlichen Weg zu beschreiten – aus Angst, den Arbeitsplatz ganz zu verlieren oder davor, dass der illegale Aufenthalt aufgedeckt werden könnte." Arbeitsgerichte müssen nach geltendem Recht nun mal alle Papierlosen melden, wodurch dann die Abschiebung droht. Genau das hat für ver.di Priorität: Der Aufenthalt in Deutschland darf während des Lohnstreits nicht gefährdet werden.

Vor Gericht steht der illegale Aufenthalt meist nicht im Fokus
In den meisten bekannten Gerichtsfällen war der illegale Aufenthalt laut Roth aber kein Thema: "Es ging vielmehr darum, ob es ein Arbeitsverhältnis gab, welcher Lohn vereinbart wurde und ob es Lohnrückstände gibt." Und Roth fügt hinzu: "Bei Gerichtsterminen müssen die Kläger_innen selbst auch nicht anwesend sein und können somit auch nicht von der Polizei festgenommen werden."

Allerdings kommen die Fälle selten vor Gericht, denn viele Arbeitgeber wissen, dass sie sich strafbar gemacht haben. Sie reagieren eingeschüchtert und zahlen in der Regel, sobald sie ein Schreiben von ver.di bekommen.

Rechtsanwalt Bilal Alkatout, der Illegale vor Gericht vertritt, meint dazu: "Das Muster ist immer gleich: Zunächst wird die schwierige Situation der Papierlosen schamlos ausgenutzt. Wenn der Arbeitgeber aber erkennt, dass Betroffene Beratung und rechtlichen Beistand im Rücken haben, geben sie dem Druck nach."

Weitere Infos zum Thema
Auf www.migration.verdi.de findet ihr zusätzliche Details sowie einen Erfahrungsbericht aus der Zeitschrift MITBESTIMMUNG.

ver.di Beratungsstellen für Menschen ohne Papiere:

  • in Köln

ver.di Bezirk Köln
Hans-Böckler-Platz 9
50672 Köln
(Raum 0.33 / Erdgeschoss rechts)

jeden 1. und 3. Mittwoch im Monat von 15 Uhr bis 18 Uhr 

Telefon: 01514 - 67 109 25
Mail: migrar.koeln@verdi.org

  • in Frankfurt am Main

ver.di-Service-Center
DGB-Haus Frankfurt
Wilhelm-Leuschner-Str. 69-77
60329 Frankfurt am Main

jeden 1. Donnerstag im Monat von 9 Uhr bis 11 Uhr
jeden 3. Donnerstag im Monat von 17 Uhr bis 19 Uhr

  • in Hamburg

DGB Hamburg
Besenbinderhof 60
Raum 637
29097 Hamburg

Montags von 15-17 Uhr und nach Vereinbarung

Telefon: 040 - 28 58 41 38
Mail: migrar.hamburg@gmx.de

  • in Berlin

DGB-Haus Berlin
Keithstr. 1-3
10787 Berlin
(Raum 315a / 3. OG)

Jeden 2. und 4. Mittwoch im Monat von 17.30 Uhr bis 19 Uhr

Telefon: 01578 - 76 741 71
Mail: beratung.AK@dgb.de