Aktionstools

Handeln, gewusst wie
Im Betrieb, in der Dienststelle oder in der (Berufs-)Schule. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten und Wege sich einzusetzen. Für ein solidarisches Miteinander und gegen Diskriminierung. Wir haben einige Bildungsideen und Aktionstools zusammengestellt:

  • Pressearbeit

    Wenn ihr eine öffentlichkeitswirksame Aktion startet, sollen das möglichst viele Leute mitbekommen. Leider handelt es sich dabei meistens nur um zufällige Passant_innen oder um Mitstreiter_innen eurer Aktion. Es ist also sinnvoll, auch die regionale Presse zu informieren – gerade in Städten, in denen sonst nicht so viel passiert.

    Mit einer Presseinformation könnt ihr Journalist_innen zu eurer Aktion einladen, die unter Umständen darüber berichten – vielleicht sogar mit Bildern. Sollte eure Aktion im Vorfeld lieber noch nicht bekannt werden, könnt ihr auch direkt im Anschluss eine Pressemitteilung schreiben.

    In beiden Fällen solltet ihr die „fünf W: wer-was-wann-wo-warum“ vollständig beantworten. Erklärt kurz und knapp, welches Anliegen ihr mit der Aktion verfolgt. Außerdem sind Zitate eine_einer Pressesprecher_in oder einer_eines Aktiven aus eurem Kreis gerne gesehen. Das Zitat darf ggf. auch formell abweichen und etwas knackiger sein!

    Eure Meldung schickt ihr entweder ein bis zwei Tage vor der Aktion oder unmittelbar danach an die lokale Presse. Gebt für Rückfragen unbedingt eine Telefonnummer als Pressekontakt an.

    Unter Downloads findet ihr eine Musterpressemitteilung, die ihr als Grundlage für eure eigene Pressearbeit verwenden könnt.

    Der Einsatz lohnt sich: Mit einem Zeitungsbericht zu eurer Aktion erreicht ihr Tausende mehr als nur auf der Straße!

  • Projekttage und Seminare

    Sowohl in (Berufs-) Schulen als auch in Betrieben sollte antidiskriminierende Bildungsarbeit fest auf dem Plan stehen. Doch leider gibt es selten entsprechende Referent_innen. Ihr könnt jedoch externe Unterstützung hinzuzuziehen. Neben den hier aufgeführten Anbietern von entsprechenden Bildungsangeboten könnt ihr euch auch jederzeit an die ver.di Jugend wenden. Dort bekommt ihr Unterstützung für die Organisation eigener Bildungsangebote.

    Anbieter von Projekttagen
    DGB Jugend
    www.berufsschultour.de

    Netzwerk für Demokratie und Courage
    www.netzwerk-courage.de

    Anbieter von Seminaren
    ver.di Jugend
    www.verdi-jugend.de

    Apabiz e. V.
    www.apabiz.de

  • Die antirassistische (Schüler-)Zeitung

    Ihr könnt auch selbst aufklären, Wissen vermitteln und Bewusstsein schaffen. Zum Beispiel in der (Berufs-)Schule mit einer kleinen Schülerzeitung. Diese eignet sich besonders gut, um auf Themen und Ereignisse aus der eigenen Schule, dem Betrieb oder aus dem eigenen Ort zu reagieren. Natürlich kann man darüber auch eigene Veranstaltungen bewerben oder gegen Nazidemos mobilisieren. Auch als betriebliche Interessenvertretung (JAV, Personal-, beziehungsweise Betriebsrat) sollte ihr ein eigenes Informationsmedium haben, um Azubis beziehungsweise Kolleg_innen zu informieren.

    Wie wird’s gemacht
    Wenn ihr einige Ideen und Beiträge gesammelt habt, könnt ihr eure Zeitung strukturieren. Erscheint eure Zeitung regelmäßig, solltet ihr auf ein einheitliches Layout achten. So ist ein kontinuierlicher Wiedererkennungswert gewährleistet. Auf den meisten Rechnern, aber auch im Internet gibt es gute Programme, die beim Erstellen helfen. Gedruckt wird im JAV-Büro, der Schule oder im Copy-Shop.

    Fertige Schülerzeitungen gibt es hier
    www.kein-bock-auf-nazis.de

  • Meinungsaustausch in der Kantine

    Ihr lest in der Mittagspause in der Kantine in der Zeitung. Und findet eine diskriminierende Formulierung oder ein rassistisches Foto? Tauscht euch mit Kolleg_innen aus. Und schreibt einen Leserbrief. Am besten zusammen mit den Arbeitskollegen_innen. Das erhöht den Druck. Falls ihr oder eure Eltern ein Abo habt, droht damit, es zu kündigen.
  • Worte wenden – Zeichen setzten

    Lauft ihr auch auf dem Weg zur Arbeit immer an diesem blöden rechten Graffito entlang und ärgert euch jedes Mal darüber, dass es immer noch keiner weggemacht hat? Werdet stattdessen kreativ! Mit wenig Aufwand lässt sich beispielsweise per (abwaschbarem) Kreidespray aus „Ausländer raus“ ein „Deutsche und Ausländer raus zum 1. Mai“ machen. Alternativ könnt ihr auch beim Ordnungsamt eine schnelle Entfernung des Graffito fordern.
  • Für Solidarität und Gleichheit – mit T-Shirts und Buttons

    Glasklare Botschaften gegen rechts sind ein Statement. Sie stärken eine Atmosphäre der Solidarität, in der es Diskriminierung und Rassismus schwer haben. Ihr könnt sie zeigen, auf eurem T-Shirt, als Button oder Rucksackaufnäher. Eure Arbeitskolleg_innen und Mitschüler_innen bemerken sie garantiert. Und sprechen euch bestenfalls darauf an. Sie herstellen und drucken zu lassen ist gar nicht teuer. Im Internet findet ihr unter Stichwörtern wie „T-Shirts“, „Druck“ oder „Button“ schnell entsprechende Angebote.
  • Steckt den Flyer in die Taschen

    Kleidung tragen wir alle, dementsprechend viele Geschäfte gibt es in unseren Städten. Warum nicht mal zusammen mit Freunden einen kleinen Flyer machen zu einem Thema, das euch vor Ort beschäftigt – zum Beispiel der neu eröffnete Nazi-Laden – und beim Shoppen „aus Versehen“ in den Taschen der Hosen, Kleider und Mäntel, die ihr anprobiert, den Flyer „vergessen“? So erreicht ihr viele Menschen, die sich ansonsten nicht mit dem Thema „rechts“ beschäftigt hätten.
  • Lass kein Gras drüber wachsen – gegen das Vergessen

    Zu leicht gerät in der Öffentlichkeit in Vergessenheit, womit sie sich nicht beschäftigen möchte, weil das Gedenken an dunkle Stellen rührt. Ihr könnt in Erinnerung rufen und das Bewusstsein für beispielsweise die Opfer rechter Gewalt wach halten. Legt dafür eine große Fläche mit Kunstrasen in eurem Betrieb oder eurer Dienststelle aus, auf der aus einigen Stellen große Tafeln herkommen. Auf denen steht genau das, worüber manche so gern Gras wachsen lassen würden.
  • Sag‘s mit Musik

    Ein grooviger Weg, um sich gegen rechts zu engagieren und dabei gemeinsam Spaß zu haben, ist beispielsweise ein Konzert gegen Diskriminierung und Rassismus. Ihr könnt es besuchen und so Gesicht zeigen. Oder selbst aktiv werden und ein Konzert organisieren. Wendet euch an eure JAVen, dort bekommt ihr Unterstützung. Oder ihr ruft zu einem Song-Contest in eurem Betrieb oder in eurer Schule auf, bei dem das Publikum den besten Solidaritätssong wählen kann.
  • Was hörst du da?

    Leider verbreiten auch Nazis mit Musik ihre menschenverachtenden Inhalte. Rapper singen frauenfeindliche Songs. Ihr könnt dagegen arbeiten! Es lohnt sich, genauer auf die Texte zu achten. Was hören sich eure Kolleg_innen und Mitschüler_innen da an? Vielleicht hat der Kollege oder die Kollegin auf den Text noch gar nicht so genau geachtet? Ihr könnt aufklären. Wenn ihr euch selbst nicht sicher seid, hilft die Seite www.turnitdown.de weiter. Dort sind Rechtsrock-Bands, Liedermacher_innen und Labels samt kurzen Erläuterungen aufgelistet. Es gibt auch eine Liste indizierter Platten und Titel. Manchmal hilft schon ein aufklärendes Gespräch. Manchmal lohnt jedoch auch ein Anruf bei der Polizei – zum Beispiel, wenn die Musik von der Bundesprüfstelle indiziert ist.
  • Bügelolympiade – das können Männer auch

    Stellt mehrere Bügelbretter auf dem Pausenhof der Berufsschule oder in eurem Betrieb auf eine farbige Grundfläche. Hier könnt ihr ironisch informieren: „Hier können Männer ein Zertifikat erwerben, das zuhause zu neuen Tätigkeitsfeldern berechtigt.“ An die Bügelbretter hängt ihr Daten und Fakten zur Gleichberechtigung der Frau, bei der Arbeit, im Betrieb und überhaupt.
  • Rechte Zeitungen aussortieren

    Beim Stöbern im Zeitschriftenladen stößt man gelegentlich auf rechtsextreme Zeitungen oder Magazine. Zum Beispiel auf die „Deutsche Stimme“, das Parteiorgan der NPD, oder die „Junge Freiheit“, eine rechte Wochenzeitung. Sprecht die_den Kioskibesitzer_in darauf an. Oft wissen diese gar nicht, was sie da verkaufen. Beruft sich die_der Besitzer_in auf das Recht zur Meinungsfreiheit, versucht ihr oder ihm klarzumachen, dass rassistische oder antisemitische Ideologien nichts mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung oder Demokratie zu tun haben. Toleranz muss da aufhören, wo Menschenverachtung anfängt!
  • Meinung aufkleben

    Bei ver.di und vielen anderen Organisationen könnt ihr kostenlos oder gegen wenig Geld antirassistische Aufkleber bestellen, mit denen ihr die Straßenzüge auf dem Weg zur Arbeit oder Schule verschönern könnt. Besonders gut machen sich die antirassistischen Aufkleber natürlich, wenn ihr damit einen rechten Sticker überkleben könnt… aber Achtung: Wer erwischt wird, kann mit einem Bußgeld belangt werden, denn es handelt sich dabei um eine Ordnungswidrigkeit.
  • Wir bringen es auf den Weg

    Mit Hilfe eines selbstgemachten Zebrastreifens könnt ihr Aufmerksamkeit bei Mitschülern_innen und Kolleg_innen für euer Anliegen schaffen. Vor der Berufsschule, zwischen Parkplatz und Betriebseingang oder in der Fußgängerzone. Schreibt auf den ersten und den letzten Streifen den Namen eurer Aktion, auf die mittleren eure Botschaften, wie beispielsweise „Gleiches Geld für gleiche Arbeit“.
  • Aktiv im Netz

    Beim Surfen im Internet macht man gelegentlich unappetitliche braune Entdeckungen. Naziseiten sind teilweise strafrechtlich verfolgbar. Ihr könnt solche Seiten über ein Meldeformular bei dem Internetportal www.hagalil.com überprüfen lassen. Der hinter der Seite stehende Förderverein recherchiert euren Hinweis, stellt eine Strafanzeige und leitet diese an die Staatsanwaltschaft weiter. Ihr selbst bleibt dabei völlig anonym.
  • Und was denkst du? – Videointerviews

    Wir alle sind neugierig, was unser Umfeld zu den Problemen und Themen, die uns beschäftigen, denkt. Interviewt eure Mitschüler_innen und Kolleg_innen. In der Kürze liegt die Würze. Ihr könnt eure Ergebnisse über Monitore in der Schule oder im Betrieb zeigen. Viele werden überlegen, wie sie selbst geantwortet hätten. Eine noch breitere Öffentlichkeit erreicht ihr, wenn ihr die Monitore beispielsweise in der Fußgängerzone aufstellt.
  • Nazikleidung zu Putzlappen

    Stellt in der Nähe eines Naziladens einen Kleidercontainer auf. Beispielsweise mit der Aufschrift »Nazikleidung zu Putzlappen«. Ihr könnt dabei auch einen Bezug zu den bei Nazis beliebten Marken, wie Thor Steinar herstellen. Hauptsache, es wird klar, warum ihr den Container aufgestellt habt. Ausleihen könnt ihr ihn zum Beispiel bei der Diakonie oder den Maltesern. Mit schweren Steinen im Innern des Containers verhindert ihr ein Umwerfen. Die Genehmigung für das Aufstellen könnt ihr bei der jeweiligen Ordnungsbehörde einholen. Dabei kann es helfen, ein Gemeinde- beziehungsweise Stadtratsmitglied mit einzubeziehen. Gewinnt ihr sogar die_den Bürgermeister_in für euer Anliegen, ist euch eine große Öffentlichkeit sicher.
  • Nazipropaganda in den Müll

    Ihr könnt schnell und spontan auf unerwünschte Wahlkampf- und Infostände von Nazis reagieren. Stellt euch mit euren Helfer_innen, die mit Müllsäcken bewaffnet sind, in die Nähe des Nazistandes und sammelt deren Propaganda von den Passant_innen gleich wieder ein. Ihr könnt ihnen auch im Austausch ein Flugblatt, einen Button oder Aufkleber als kleine Belohnung in die Hand geben. Die Nazis werden schnell genervt aufgeben. Achtet bei der Aktion darauf, dass ihr ausreichend Leute seid, damit die Nazis keine Übergriffe wagen können.
  • Öffentliche Podiumsdiskussionen

    Podiumsdiskussionen finden meist in Räumen von Vereinen und Organisationen statt. Ein größeres Publikum erreicht ihr jedoch an einem öffentlichen Ort. Besonders gut eigenen sich Plätze mit hohem Publikumsverkehr. Bei der Auswahl der Diskutant_innen solltet ihr überlegen, welches Thema ihr in die Öffentlichkeit bringen wollt. Vergesst nicht, den Platz anzumelden und den Transport des Materials zu organisieren. Bühnenteile, Bierbänke und Technik bekommt ihr bei den Gewerkschaften vor Ort. Eine Pressemitteilung zur Aktion erhöht die Reichweite. Übrigens: Noch besser gelingt die Podiumsdiskussion, wenn sie mit einer kreativen Aktion davor oder danach verbunden wird.

Dies waren nur einige Beispiele, wie ihr aktiv werden könnt. Weitere Tipps findet ihr auch in der Broschüre der gelben Hand „Aktiv gegen rechts“ , die im Internet zum Download zur Verfügung steht oder ihr schaut in unsere Linksammlung.